Warum ein Agiler Coach/ Berater/ Consultant für Lean Management mit Krawatte wenig glaubwürdig ist

Seit meiner Bankausbildung war ich es nicht anders gewohnt und habe es vermutlich wie viele meiner Kollegen immer als Selbstverständlichkeit betrachtet, die Bank stets mit Krawatte zu betreten.

Das änderte sich plötzlich, als ich mich intensiv mit der Vermittlung der Prinzipien des Lean Managements im Backoffice-Bereich einer Bank beschäftigt habe.

Wie auch früher schon, aber mit mehr Nachdruck, hörte ich In dieser Zeit beim morgendlichen Ritual des Krawatte-Bindens immer den inneren Rebell die Frage stellen, wozu ich das überhaupt mache. Kann man nur mit Krawatte ein guter Berater und Coach sein?

Die Antwort hierauf wurde mir deutlich, als ich für mich im Geiste das wesentliche Grundprinzip und die beiden Verschwendungsarten des Lean Management durchgegangen bin:

In Unternehmen, die sich dem Lean Management verschrieben haben, wird  dem obersten Gebot des Lean Management folgend nur produziert, was die Kunden ausdrücklich wünschen, z.B. die Eröffnung eine Kontos oder die Gewährung eines Kredits.

Stellen Banken trotz fehlenden Kundenwunsches eine Leistung bereit, so kann der Grund hierfür in regulatorischen Anforderungen, z.B. Gesetzen liegen.  Man spricht dann von Verschwendung erster Ordnung. Ein Beispiel für Leistungen von Banken, die zu dieser Kategorie gehören, sind Meldungen an Aufsichtsbehörden. Sie werden nicht explizit vom Kunden bei der Beantragung eines  Kredits oder einer Kontoeröffnung gewünscht, werden aber vom Gesetzgeber verlangt.

Und dann gibt es noch die Tätigkeiten, die getan werden, die weder vom Kunden gewünscht werden oder von irgendjemand sonst gefordert werden. Diese Tätigkeiten gehören zur Verschwendung zweiter Ordnung.

Was hat das mit der Krawatte zu tun?

Mit einem Augenzwinkern habe ich mir vergegenwärtigt, dass das Tragen einer Krawatte kein expliziter Kundenwunsch ist, für dessen Erfüllung ein Kunde bereit wäre Geld zu bezahlen.

Wenn es also das Tragen einer Krawatte kein ausdrücklicher Kundenwunsch ist, dann müsste es eine regulatorische Vorgabe geben, die das Tragen einer Krawatte nach Prinzipien des Lean Managements rechtfertigen würde. ich konnte bisher keine solche regulatorische Anforderung finden. Insofern lässt sich ableiten, dass das Tragen einer Krawatte folglich der Kategorie „Verschwendung zweiter Ordnung“ zuschreiben ist. Diese Art Verschwendung soll jedoch im Sinne des Lean Managements zwingend minimiert werden. Seit diesem Tag fällt es mir besonders leicht, bei meinen Coachings und Beratungen die Krawatte im Schrank zulassen! Wie könnnte ich als Lean Management Experte oder agiler Coach authentisch sein, wenn ich selbst gegen die Prinzipien des Lean Managements verstoße? 😉

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